Nivea in die Augen geschmiert

Die Volksinitiative «Stopp der Hochpreisinsel – für faire Preise» kommt zustande, wie der «Tages-Anzeiger» am Donnerstag vermeldete. Die Initiative will «missbräuchliche Schweiz-Zuschläge» für im Ausland hergestellte Produkte unterbinden und so für günstigere Preise sorgen. Das klingt gut. Im Visier haben die Konsumentenschützer, Wirte und Gewerbler vor allem ausländische Markenhersteller wie Beiersdorf, die Nivea hierzulande teurer verkauft als in Deutschland. Die Initiative will sie zwingen, zum tieferen ausländischen Preis in die Schweiz zu liefern.

Was auffällt: Die Initianten konzentrieren sich damit ausgerechnet auf die Bereiche, die den geringsten Preisunterschied zum Ausland aufweisen. Dauerhafte Konsumgüter sind nur 2 Prozent teurer als im Durchschnitt der Euroländer, Bekleidung und Schuhe ebenso wie Maschinen und Geräte 11 Prozent, alle Konsumgüter 20 Prozent. Im Haushaltsbudget der Konsumenten machen diese Ausgaben immer weniger aus, weil die Preise seit Jahren stagnieren oder sinken. Zudem findet der Konsument Dutzende von Konkurrenzprodukten zu Nivea.

Unberührt von der Initiative bleiben dagegen ausgerechnet jene Bereiche, die das Haushaltsbudget am stärksten belasten, wo die Preise dauernd steigen und wo sie extrem viel höher sind als im Euroland: Lebensmittel (51 Prozent), Fleisch (105 Prozent), staatliche Dienstleistungen (81 Prozent), Wohnen (66 Prozent), Gesundheit (78 Prozent), Spitäler (123 Prozent), Bildung (139 Prozent) und persönliche Dienstleistungen (115 Prozent).

Das sind alles Märkte, wo wenig Wettbewerb herrscht, der Staat bestimmt (Bildung, Gesundheit, Energie, Verkehr, Landwirtschaft) oder wo die hohen Löhne den Unterschied zum Ausland ausmachen (nicht handelbare Dienstleistungen vom Coiffeur bis zum Berater).

Die Initiative «Stopp der Hochpreisinsel» verspricht zu viel. Sie bekämpft nicht die Ursachen, nur Symptome. Sie schmiert den Konsumenten Nivea in die Augen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 1. Oktober 2017

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