Geld

Soll man Kinder mit Geld ködern?

Die Credit Suisse hat diese Woche Digipigi, ein digitales Sparschweinchen, auf die Kinder losgelassen. Es reagiert mit Mimik und Geräuschen auf den Geldeinwurf und – dank Verbindung zum Internet – auch auf Einzahlungen aufs Sparkonto. Die Kinder sollen «spielerisch den Umgang mit Geld lernen».

Dagegen ist nichts einzuwenden. Auf Kritik stiess jedoch die Aufforderung, Eltern sollten Kinder durch Digipigi­-Einzahlungen zur Mithilfe im Haushalt animieren: «Gemeinsam mit Ihrem Kind vereinbaren Sie für bestimmte Ämtli eine Belohnung – so kann Ihr Kind sich etwas dazuverdienen und bekommt ein Gefühl für den Wert von Lohn und Arbeit.» Soll man Kinder dafür zahlen, dass sie den Tisch decken, Geschirr spülen, mit dem Hund Gassi gehen, den Hamsterkäfig putzen? In einer Umfrage hat die Bank herausgefunden, dass bei gut einem Drittel der Kinder das Sackgeld von einem Ämtli abhängig gemacht wird.

Weil Lesen Spass macht und die Erfolgschancen im späteren Leben erhöht, haben Pädagogen auch schon vorgeschlagen, Kinder fürs Lesen zu bezahlen. Vielleicht sieht ein Kind heute noch nicht ein, wie interessant und nützlich Lesen sein kann, ein kleiner Anreiz wäre so eine Investition in die Zukunft des Kindes.

Auf der anderen Seite weiss man, dass extrinsische, durch äussere Reize wie Geld hervorgerufene Motivation unter Umständen die intrinsische, aus sich selbst entstehende Motivation zerstören kann. Zum Beispiel könnte das Kind den Eindruck erhalten, Lesen müsse mühsam sein, sonst würde man es ja kaum dafür bezahlen.

Ein Experiment in den USA ergab, dass Kinder, die mit Geschenken geködert wurden, tatsächlich mehr Bücher lasen. Allerdings wirkte der Anreiz nur bei jenen, die eh schon gerne lasen. Bei den Unmotivierten funktionierte es nicht.

Kinder zum Lesen oder zur Mithilfe im Haushalt zu motivieren, ist eine gute Sache. Dazu auf Geld zu setzen, vielleicht weniger. Bei den Bankern soll das ja mitunter ganz ähnlich sein.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 3. September 2017

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Überraschendes Comeback des Bargelds

Bargeldlos zahlen ist ein Megatrend. Der Umsatzanteil von elektronischen Zahlungsmitteln, Kredit- und Debitkarten, wächst rasant. Trotzdem sind Banknoten beliebt wie nie. Weltweit nahm der Bargeldumlauf in den letzten 15 Jahren stark zu, wie eine Untersuchung der österreichischen Ökonomen Clemens Jobst und Helmut Stix zeigt.

Der seit 1945 anhaltende Trend weg vom Bargeld hat sich umgekehrt. Nur während der grossen Depression in den 1930er-Jahren war die Bargeldzunahme ähnlich steil wie heute. Der durchschnittliche Bargeldbestand beträgt in den USA 4000 Dollar pro Kopf, ähnlich wie in der Eurozone. Mit umgerechnet 9000 Dollar steht die Schweiz unangefochten an der Spitze.

Die steigende Nachfrage nach Bargeld konzentriert sich in der Schweiz auf den Tausender, die wertvollste international gängige Banknote der Welt. In nur zehn Jahren hat die Nationalbank deren Zahl auf über 47 Millionen Stück mehr als verdoppelt. Wegen der tiefen Zinsen und der zunehmenden Unsicherheit ist der Tausender erste Wahl für reiche Ausländer – und für Steuerhinterzieher und Kriminelle.

Der Druck, ihn abzuschaffen, wird zunehmen. Weil die Stückelungen bis 100 Franken für Transaktionen ausreichen und die Frankenhortung die Geldpolitik der Nationalbank erschwert, spricht wenig für ihn. Die Nationalbank hat jetzt erstmals eine Umfrage zu den Gewohnheiten bei der Zahlungsmittelnutzung in Auftrag gegeben.

Berechtigte Kritik am Tausender sollte aber kein Argument für die Abschaffung des Bargelds sein. Dessen Beliebtheit spiegelt die Bedürfnisse der Bürger. Sie sollen weiterhin frei entscheiden, ob sie elektronisch oder mit Bargeld zahlen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 20. August 2017

So schnell schwindet das Geld beim Wechseln

Warnung: Dieser Beitrag kann die Vorfreude auf Ihre nächste Reise gefährden. Wer sich hierzulande mit ein paar Banknoten für das Ferienland ausrüsten will, ärgert sich über schlechte Wechselkurse und saftige Gebühren. Zwar gibt es Unterschiede zwischen den Anbietern, aber sie sind nicht gross. Das günstigste Angebot wechselt je nach Tag und Währung. Wer nicht bei der Hausbank wechselt, zahlt zudem oft eine Fixgebühr von 5 Franken. Die Spanne von An- und Verkaufspreis zum Devisenmittelkurs beträgt beim Euro um die 5, beim Dollar um die 8 und beim britischen Pfund über 10 Prozent, bei seltener gehandelten Währungen wie dem brasilianischen Real über 25 und beim ägyptischen Pfund gar über 50 Prozent.

Den Banken entstehen Kosten durch Beschaffung, Transport, Vorratshaltung und die Absicherung gegen Wertveränderungen. Trotzdem erscheinen die Margen hoch. Würde man sein Geld hin und her wechseln, wäre man es schnell los. Wie schnell, zeigt ein kleines Rechenbeispiel (aufgrund der Notenkurse der UBS vom 28. Juli): 100 Franken könnte man 87-mal in Euro und zurücktauschen, danach sind nur noch Rappenbeträge übrig. Beim Dollar ist nach 59 Wechseln Feierabend, beim Pfund nach 38 und beim brasilianischen Real nach 18-mal. Beim ägyptischen Pfund bleibt von 100 Franken schon nach achtmaligem Wechseln nur 1 Franken übrig.

Unter dem Bankenkartell, das bis Ende 1991 die Notenkurse festlegte, war die Spanne zwischen An- und Verkauf viel tiefer. Das britische Pfund beispielsweise hätte man damals mehr als doppelt so oft hin und her wechseln können, bis die Bank die 100 Franken eingesackt hätte. Offenbar spielt der Wettbewerb nicht.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 6. August 2017