Konsumentenschutz

Wenn der Staat manipulative Preise verbietet

Ovomaltine für 6.59 Franken, Stocki für 4.99 – zum 50-Jahr-Jubiläum macht der Discounter Denner bei bestimmten Markenprodukten seit kurzem wieder Rappenpreise, vorzugsweise ­natürlich mit einer 9 am Schluss. Die deutschen Discounter Aldi und Lidl hatten die bekannten 99-Rappen-Preise für ihren ­Markteinstieg in der Schweiz aus Deutschland mitgebracht. Weil der Einräppler 2007 ausser Kurs gesetzt wurde, runden sie an der Kasse einfach auf den nächsten Fünfer ab.

Die Händler nutzen damit einen psychologischen Trick. Denn wir Konsumenten kaufen bekanntlich nicht ganz rational. Wir lassen uns leicht von der 9 blenden und runden Rappen automatisch auf den Franken ab. Diese mensch­liche Schwäche sollten Händler nicht mehr länger ausnützen ­dürfen, befand die israelische ­Regierung. Sie verbot kurzerhand per Gesetz die «manipulativen», auf 9 endenden Preise. Bis dahin hatten diese in den Supermärkten dominiert. Rund drei Viertel aller Preise hatten eine 9 am Schluss, obwohl sowohl das 1- wie auch das 5-Schekel-Stück längst ­abgeschafft waren. An der Kasse wurden die Preise auf den ­nächsten Zehner abgerundet. Seit Januar 2014 müssen alle Preise auf null enden.

Ein Team von israelischen und amerikanischen Forschern untersuchte, was danach ­geschah (PDF). Der Anteil der auf 90 endenden Preise stieg innert ­weniger Monate von 6 auf 55  Prozent. In der Schweiz ist das nicht anders. Im Onlinemarkt Le Shop zum Beispiel enden 73 Prozent der Waschmittelpreise auf 90 oder 95 Rappen. In anderen Produktkategorien sieht das Bild ähnlich aus.

Die 90er-Endungen haben die Funktion der 9er-Endungen übernommen – und sie funktionieren nach dem gleichen ­psychologischen Trick. Sie ziehen uns magisch an, indem sie tiefe Preise signalisieren. Sie verleiten uns zu Fehlern bei Vergleichen und lassen uns Preiserhöhungen leichter übersehen. Das mag Konsumentenschützer nerven. Aber das Beispiel aus Israel zeigt, wie leicht eine gutgemeinte ­Regulierung ins Leere läuft.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 19.3.2017

 

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Wettbewerb schützt den Konsumenten

21.3.2016 / Armin Müller

719 Franken kostet das neueste Objekt der Begierde in der Smartphone-Welt, das Samsung Galaxy S7, das jetzt in die Läden kommt. Rund 10 Millionen Stück will der koreanische Hersteller allein in den ersten drei Monaten verkaufen. 2015 wurden weltweit mehr als 1,4 Milliarden Smartphones verkauft, Samsung hält über 20 Prozent am Boom-Markt.

Das muss ein Bombengeschäft sein – oder nicht? Experten des Analyse-Unternehmens IHS in Colorado haben das Handy auseinandergenommen und nachgerechnet, was die Einzelteile kosten. Die reinen Produktionskosten betragen zwar nur circa 260 Franken. Die teuerste Komponente ist der Prozessor mit 62 Franken. Display und Touchscreen kosten 55, der Speicher 25 und die Kamera 13.70 Franken. Die Montage aller Teile schlägt dann noch mit 5 Franken zu Buche. Nicht eingerechnet sind die Kosten für Entwicklung, Software, Marketing und Vertrieb.

Und dann sieht es plötzlich nicht mehr so toll aus. Im Schnitt macht Samsung nämlich nur gut 23 Franken Gewinn pro Smartphone, wie der Technologie-Blogger Charles Arthur nachgerechnet hat. Zwar dürfte der Gewinn beim Flaggschiff S7 klar höher sein als bei den billigeren Geräten. Das vermutete Bombengeschäft ist es dennoch nicht.

Dass die Geräte immer besser und billiger werden und die Gewinne der Hersteller trotzdem sinken, haben wir dem besten Konsumentenschützer der Welt zu verdanken: dem Wettbewerb. Rund zwei Milliarden Menschen, immer mehr auch in Entwicklungsländern, können sich ein Smartphone leisten und damit auf das Wissen der Welt zugreifen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 20. März .2016