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Alle Jahre wieder: Humbug am WEF

Schon wieder treffen sich die Reichen und Mächtigen am World Economic Forum (WEF) in Davos, um «den Zustand der Welt zu  verbessern», wie die Organisation behauptet. Und wieder nutzt der Hilfswerkverbund Oxfam die Bühne für seinen Werbeauftritt. Um die öffentliche Aufmerksamkeit wach zu halten, steigert Oxfam Jahr für Jahr die Dramatik.  2014 rechnete sie vor, die 85 Reichsten der Welt besässen so viel Vermögen wie die Hälfte der Menschheit zusammen. 2015 waren es demnach schon die 62 Reichsten und dieses Jahr sollen bereits die acht Reichsten mehr besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.

Für ihren Vergleich mixt Oxfam den «Global Wealth Report» der Credit Suisse mit der Milliardärsliste von «Forbes». Die acht Superreichen besitzen zusammen Vermögenswerte von schätzungsweise 426 Milliarden Franken, zumeist in Form von Aktien ihrer Unternehmen. Das sind 0,17 Prozent des geschätzten Weltvermögens. Die Credit Suisse (CS) arbeitet mit Nettovermögen, also Ersparnissen abzüglich Schulden. Das ergibt für die Bank Sinn, da sie an der Verwaltung der Finanzvermögen interessiert ist. Aus dem Addieren von Schulden und Vermögen kann die CS Rückschlüsse auf ihr Marktpotenzial ziehen, aber es lassen sich keine sinnvollen Aussagen über Armut ableiten.

Die Methode führt stattdessen zu unsinnigen Aussagen: So sind  von den ärmsten zehn Prozent der Welt 13,7 Prozent Europäer, aber nur 12,6 Prozent Chinesen und nur 9,3 Prozent Lateinamerikaner. Zu den Allerärmsten dieser Welt gehören nach dieser Unstatistik mehr Deutsche als Türken, Kongolesen, Ägypter oder Philippinos.

Zu den Ärmsten dieser Welt gehören nach dieser absurden Logik der Schweizer, der nichts auf dem Konto hat und sein Auto auf Kredit kauft, genauso wie der amerikanische Investmentbanker, der mit einem 100’000-Dollar-Vertrag von Harvard abgeht und sein Studiendarlehen noch nicht abgezahlt hat. Nicht zu den Ärmsten zählt dagegen der syrische Flüchtling, der mit ein paar Tausend Dollar nach Europa kommt.

Der «Global Wealth Report» der Credit Suisse ist auch aus einem anderen Grund nicht geeignet für Aussagen über Armut und Ungleichheit. Internationale Organisationen und Ökonomen rechnen für solche Vergleiche mit Kaufkraftparitäten, um die unterschiedliche Kaufkraft im jeweiligen Land zu berücksichtigen. Die Credit Suisse rechnet dagegen die Währungen einfach zu den aktuellen Kursen in Dollar um. Das genügt für eine Bank, die an den Finanzvermögen von Anlegern interessiert ist, aber sicher nicht für Vergleiche, wie sie Oxfam anstellt. Die Aufwertung des Dollar hat die Vermögen in den USA auf- und jene in den ärmeren Ländern abgewertet. Über die Entwicklung der Ungleichheit sagt das nichts aus.

Man könnte über den Humbug hinwegsehen, wenn es nicht um so etwas Wichtiges wie die Bekämpfung der Armut ginge. Auf einer unbrauchbaren Datengrundlage lässt sich keine gute Politik aufbauen. Armut nimmt seit 30 Jahren weltweit stark ab, genau so wie die globale Ungleichheit. Zu verdanken ist das der zunehmenden Verbreitung von Freiheitsrechten und dem Zugang zu Märkten, die Wachstum möglich machten. Was Oxfam politisch bekämpft, befreite Millionen aus bitterer Armut. Die Propaganda hilft wohl ihrer Spendenkasse, aber nicht den Armen dieser Welt.

Zum Glück hängt die Verbesserung der Welt nicht von den grossen Sprüchen am WEF ab, sondern von Menschen, die ihre Freiheit nutzen.

Seriöse Daten über den Zustand der Welt und die bisher erzielten Fortschritte finden Sie übrigens in Online-Datenbanken wie Gapminder oder Ourworldindata.

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