Das Gesundheitswesen krankt an mangelnder Transparenz

Das Schweizer Gesundheitssystem kostet total gegen 80 Milliarden Franken pro Jahr (davon in der obligatorischen Grundversicherung knapp 30 Milliarden). Das macht pro Kopf gegen 10 000 Franken beziehungsweise fast 800 Franken pro Monat. Und die Kosten steigen Jahr für Jahr, wie wir an den Prämienrechnungen der Krankenkasse ablesen können.

Und was kriegen wir dafür? Qualität ist im Gesundheitswesen nicht leicht messbar. Aber die stark gestiegene Lebenserwartung gibt immerhin einen Hinweis. Und die nackten Zahlen zur Sterblichkeit belegen einen erstaunlichen Fortschritt. Bei manchen Todesursachen ging die Sterblichkeit um über die Hälfte zurück, so bei Kreislaufkrankheiten, Infektionen, Krankheiten der Atmungsorgane oder bei Unfällen. Die Sterbeziffer bei Krebs sank um 38 Prozent, bei Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes und Unfällen ging sie um mehr als die Hälfte zurück.

Der Fortschritt im schweizerischen Gesundheitswesen ist offensichtlich gross. Wie die Infografik rechts zeigt, sind die häufigsten Todesursachen aber nicht unbedingt auch die teuersten Krankheiten. Zwar verursacht die häufigste Todesursache – Herz-Kreislauf-Krankheiten – tatsächlich auch am meisten Kosten. Aber trotz teurer Medikamente folgt die zweithäufigste Todesursache Krebs erst an siebter Stelle, wenn es um die Kosten geht. Die Häufigkeit und die oft jahrelang notwendige Behandlung bei Rückenproblemen, Diabetes oder bei psychischen Krankheiten machen diese zu ganz gewichtigen Kostenblöcken.

Das Gesundheitswesen ist ein hochkomplexes System mit vielen Mitspielern, unterschiedlichen Interessen und grosser politischer Relevanz. Das macht Reformen, die das Kostenwachstum bremsen könnten, schwierig. Es gibt noch zu wenig Transparenz über die Qualität und die Kosten der Leistungen, es mangelt an unabhängiger Forschung, an Daten und anerkannten Qualitätsindikatoren.

Und noch etwas: Am letzten Sonntag veröffentlichten wir einen umfassenden Altersheimreport, für den wir Daten über alle 1552 Altersund Pflegeheime der Schweiz ausgewertet haben. Dabei zeigte sich, dass in den letzten Jahren vielerorts qualifiziertes Personal abgebaut und durch Hilfskräfte ersetzt wurde, aus Kostengründen und wegen Fachkräftemangel.

Der Bericht hat bei unseren Leserinnen und Lesern grosse Aufmerksamkeit erregt und zahlreiche Reaktionen ausgelöst, auch bei Behörden, Heimleitern und Politikern.

Die Debatte um Missstände in der Altenpflege, steigende Kosten und die notwendige Finanzierung muss jetzt geführt werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 8. April 2018

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