Schwindel statt Wunder

 

2,6 Millionen Bolivar kostet eine Rolle WC-Papier in Caracas. Was das heisst, zeigt das Foto mit dem Stapel von 2600 Tausendernoten, der grössten Banknote Venezuelas. Es ist zehn Tage alt, heute wäre der Stapel noch höher. Die Preise haben sich in einem Monat etwa verdoppelt. Die Inflation im Land wird auf rund 55’000 Prozent pro Jahr geschätzt. Ex-Präsident Hugo Chávez und sein Nachfolger Nicolás Maduro haben Venezuela mit ihrem «Sozialismus des 21.Jahrhunderts» ruiniert. Die Menschen hungern, Millionen verlassen das Land mit den weltweit grössten Erdölvorkommen.

Eine Währungsreform soll die Hyperinflation stoppen. Der neue «souveräne» Bolivar hat fünf Nullen weniger als sein Vorgänger. Das entspricht einer Abwertung des offiziellen Wechselkurses um 96 Prozent. Er wird an die staatliche Kryptowährung Petro gekoppelt. Das soll ihm Stabilität geben, weil der Petro angeblich mit Vorräten der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA gedeckt ist.

Das Ganze ist ein grosser Schwindel. Die PDVSA ist heruntergewirtschaftet und hoch verschuldet, der Petro wird nicht gehandelt, falls er überhaupt existiert. «Ich weiss, dass die in Politik verwandelte Liebe zu einem Wunder wird», schwafelt Maduro, «ein Wirtschaftswunder wird in Venezuela geschehen.» Wie der neuen Währung fehlt ihm jegliche Glaubwürdigkeit. Maduro ist weder fähig noch willens, die wirtschaftspolitischen Reformen anzupacken, die die Basis für eine stabile Währung bilden könnten.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 26. August 2018

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