Brexit

Der Brexit als Lehrstück für Megaprojekte

Der Brexit sollte ein Befreiungsschlag werden. Jetzt steckt der Prozess fest und Grossbritannien im Chaos. Der Austritt aus der EU ist ein Megaprojekt, ein aufwendiges und komplexes Vorhaben, vergleichbar mit der Veranstaltung von Olympischen Spielen, dem Bau des Kanaltunnels oder des Berliner Flughafens. Dass Megaprojekte Kosten und Termine überschreiten und nicht bringen, was versprochen wurde, ist die Regel, nicht die Ausnahme. Alle Empfehlungen von Bent Flyvbjerg, anerkannter Experte für Megaprojekte, wurden beim Brexit in den Wind geschlagen:

  • Engagiere einen erfahrenen Projektleiter und ein gutes Team: Der erfahrene Verhandlungsführer schmiss den Bettel schon Anfang 2017 hin, weil seine Warnungen nicht gehört wurden.
  • Machs modular wie Lego, damit das Scheitern eines Teilprojekts nicht das ganze Projekt gefährdet: Stattdessen verhandeln Briten und EU nach dem Motto «Alles auf einmal oder gar nichts».
  • Baue Brücken, bevor du sie brauchst: Vertrauen und offene Kommunikation bringen ein Projekt voran – beim Brexit ein Ding der Unmöglichkeit.
  • Machs von Anfang an richtig: Grossbritannien startete den Countdown zum Austritt aus der EU im März 2017 und setzte sich damit völlig unvorbereitet unter extremen Zeitdruck.
  • Denke vom Ziel her: Die Regierung hatte ein solches nie klar vor Augen.
  • Nimm eine Aussensicht ein, denn übertriebener Optimismus und Wunschdenken sind gefährlich: Realismus stand in der britischen Politik nicht hoch im Kurs.

Als Passagier möchtest du, dass der Flugbegleiter Optimist ist, nicht der Pilot, so Flyvbjerg. Ob der Brexit eine gute Idee ist, darüber lässt sich streiten. Über die Projektleitung nicht.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 16. Dezember 2018

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