Big Business mit der Gemeinnützigkeit

Konzerte werden abgesagt, Sportlager und Theater fallen aus: So weit kommt es, wenn man der Kampagne für das Geldspielgesetz Glauben schenkt. Aber wie so oft, wenn der Teufel an die Wand gemalt wird, geht es nicht um schöne Nebensachen wie Kultur und Sport. Sondern um das ganz grosse Geschäft. Die Schweizer Lotteriemonopolisten Swisslos und Loterie Romande wollen gemeinsam mit den hiesigen Casinos ihre Pfründe sichern. Das neue Geldspielgesetz soll sie vor ausländischer Konkurrenz schützen, wenn mit Onlinespielen bald noch mehr Geld fliesst.

Mit immer neuen Gewinnspielen beuten die Anbieter den Spieltrieb der Menschen aus. Gerechtfertigt wird das damit, dass der Gewinn gemeinnützigen Zwecken dient – ein moderner Ablasshandel. Die Kantone unterstützen damit vor allem Sport und Kultur, aber auch anderes, für das auf demokratischem Weg keine Mehrheit zu gewinnen wäre. Die Lotteriefonds sind eine Art schwarze Kasse für Regierungsräte. Damit lassen sich Politikerfeste, Moskau-Reisli oder politisch genehme Projekte finanzieren. Die Regierungsräte sitzen nicht nur in den Verwaltungsräten der Anbieter, sondern auch in der Aufsichtsbehörde. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Lotteriemonopolisten Politiker zum Helikopterflug oder ans Filmfestival einladen und Millionen in die Abstimmungspropaganda stecken.

Dabei ist es mit der Gemeinnützigkeit gar nicht so weit her. Swisslos schüttet 55 Prozent des Umsatzes als Gewinn an die Spieler aus und 31 Prozent für gemeinnützige Zwecke. Beim konzessionierten britischen Anbieter Camelot gehen dagegen 57 Prozent an die Spieler und 34 Prozent an den Staat. Die Betriebskosten machen bei Swisslos 6 Prozent aus, bei Camelot nur 2,4 Prozent.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 3. Juni 2018

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