Trump bestraft Amerikas Konsumenten

US-Präsident Donald Trump verhängt Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. «Wenn ein Land viele Milliarden Dollar im Handel mit praktisch jedem Land verliert, mit dem es Geschäfte macht, sind Handelskriege gut – und einfach zu gewinnen», twitterte er am Freitag.

trump

Das ist ein Trugschluss. Erstens ist Handel kein Nullsummenspiel, bei dem einer gewinnt, was der andere verliert. Handel kommt zustande, weil beide Seiten davon profitieren. Ökonomen sind sich selten so einig wie in dieser Frage. Zweitens sind Handelskriege nie gut. Sie verteuern die Produkte, die Konsumenten und Produzenten kaufen. Drittens sind Handelskriege kaum zu gewinnen. Die von den neuen Zöllen betroffenen Länder reagieren mit gezielten Gegenmassnahmen. Beide Seiten verlieren, wie die historische Erfahrung zeigt.

Trump zielt auf China, trifft aber die amerikanischen Konsumenten. Seine Zölle wirken wie eine Steuer, die von der Bierdose über den Kühlschrank bis zum Auto unzählige Produkte verteuert. Was den Arbeitern in der Stahlindustrie helfen soll, schadet der metallverarbeitenden Industrie mit etwa zehnmal so vielen Jobs. Und wenn die Amerikaner mehr für Produkte aus Stahl und Alu ausgeben müssen, haben sie weniger Geld für Güter anderer Branchen zur Verfügung – was dort wiederum Jobs kosten wird.

Diese bittere Erfahrung machten die USA schon mehrfach. 2002 verhängte George W. Bush 30 Prozent Zoll auf chinesischen Stahl. In der Folge verloren wegen der höheren Kosten in der verarbeitenden Industrie mehr Arbeiter ihren Job, als in der gesamten Stahlindustrie beschäftigt waren (hier die Studie als PDF). In den 1980er-Jahren kosteten Zölle die amerikanischen Konsumenten eine Million Dollar für jeden geretteten Stahlarbeiter-Job. Der Schutz von nicht wettbewerbsfähigen Branchen senkt die Arbeitsproduktivität des Landes – und damit das Lohnniveau.

Einfach zu gewinnen ist ein Handelskrieg nur gegen die eigene Bevölkerung.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 4. März 2018

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