Was Boxer von Organspendern unterscheidet

Mehr als 100 Millionen TV-Zuschauer sahen sich die diesjährige Superbowl an, das Finalspiel im American Football. Football ist der populärste und lukrativste Sport in den USA. So populär und lukrativ, dass man Kollateralschäden in Kauf nimmt. Keine Sportart verzeichnet mehr Gehirnverletzungen. In 110 von 111 untersuchten Gehirnen ehemaliger Profispieler wiesen Forscher die Gehirnerkrankung Chronisch-traumatische Enzephalopathie nach.

Football-Profis gehen das Risiko freiwillig ein – und sie werden gut dafür bezahlt. Dieses Argument gilt anderswo jedoch nicht: So ist es verboten, Nierenspender für ihre gute Tat zu bezahlen. Ende 2017 standen in der Schweiz 1556 Patienten auf der Warteliste für eine Spenderniere, fast 30 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Sie müssen sich einer aufwendigen, schmerzhaften und teuren Blutwäschetherapie unterziehen. Für manche ist das Warten tödlich. 2017 starben 26 Patienten auf der Warteliste.

Warum zahlen wir Football-Profis, die uns unterhalten, verbieten aber die Entschädigung von Spendern, die Leben retten? Das fragen die US-Professoren Kimberley Krawiec und Philip Cook in einer kürzlich veröffentlichten Studie. Gegen die Bezahlung von Organspendern werden oft ethische Argumente vorgebracht. Der finanzielle Anreiz könne Menschen dazu bringen, gegen ihre eigentlichen Interessen zu handeln, und das führe zur Ausbeutung von Armen. Krawiec und Cook halten dagegen. Die Gesundheitsrisiken einer Profikarriere im Football oder Boxen sind weit grösser als die eines Nierenspenders. Footballer und Boxer kommen oft aus armen Verhältnissen, die meisten sind Schwarze oder Hispanoamerikaner.

Für die Entschädigung von Nierenspendern gibt es sehr viel stärkere Argumente als für die Bezahlung von Profisportlern. Denken Sie daran, wenn Sie sich in 14 Tagen den Boxkampf um den Weltmeistertitel im Schwergewicht zwischen Deontay Wilder und Luis Ortiz anschauen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 18. Februar 2018

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