Bitcoin, Kryptokätzchen & Co. – so lohnt sich beten

Bitcoins verloren letzte Woche rund 8000 Dollar oder 40 Prozent an Wert. Das bringt die Bitcoin-Gläubigen nicht aus dem Konzept. Ihr Credo heisst «HODL». Nach einem Kurseinbruch hatte ein Softwareentwickler 2013 in einem Blogpost mit dem Titel «I am hodling» begründet, warum er Bitcoins auf ­keinen Fall verkaufen, sondern immer halten (hold) werde. Der Druckfehler machte ihn berühmt. Seither senden die Gläubigen, immer wenn der Bitcoin-Kurs sinkt, ihr «HODL» via soziale Medien in den Äther.

Jeder kann Geld schaffen, erklärte der Ökonom Hyman Minsky, ein Experte für Finanzkrisen und Spekulationsblasen, schon vor Jahrzehnten. «Das Problem ist, es akzeptiert zu bekommen.» Das hat bei Bitcoins bisher nicht schlecht funktioniert, obwohl sie als Währung schlecht taugen. Der Handel ist anfällig für Betrug, die Transaktionen sind langsam und teuer. Am Freitag, als der Kurs steil nach unten ging, warteten zeitweise über 280 000 Transaktionen auf eine Bestätigung. Bei den Kryptokätzchen, die in den letzten Wochen Furore machten, ist die Luft allmählich wieder draussen. Ihr Durchschnittspreis hat sich seit Anfang Dezember fast halbiert, Spitzenpreise wurden nicht mehr bezahlt. Es sieht so aus, als ob die Preise von über 100’000 Dollar von Früheinsteigern manipuliert waren, um Spieler anzulocken.

Mit Kryptowährungen ist fast alles möglich. Zum Beispiel ein digitalisiertes Gebet – «an Gott gesandt und in der Blockchain gespeichert». Der Prayer Token kostet derzeit rund 18 Dollar. «Ich weiss nicht, ob Gebete wirken, aber wenn sie es tun, dann erhalten Sie mehr Wert mit einem Prayer Token als mit jeder anderen Währung», verspricht der Anbieter. «Andere Kryptowährungen auf dem Markt wollen nur Ihr Geld – ich will Ihre Seele retten!» Das klingt doch nach einem fairen Angebot.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 24. Dezember 2017

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