Bio ist besser – jedenfalls in der Werbung

Die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» will dafür sorgen, dass nur noch Bauernbetriebe Direktzahlungen erhalten, die ohne Pestizide produzieren. Der Präsident von Bio Suisse und die Bio-Anhänger freuten sich – wohl zu früh. Denn die Initiative verlangt eine pestizidfreie Produktion und trifft damit auch Wirkstoffe wie Kupfer oder Pyrethrum, die im Biolandbau eingesetzt werden, weil sie angeblich «natürlich» sind.

Die Unterscheidung zwischen «bösen» chemisch-synthetischen und «guten» natürlichen Wirkstoffen beruht auf einem weitverbreiteten Irrglauben. Der Unterschied existiert nur in der Werbung für Bioprodukte und Naturheilmittel, aber nicht in der Realität. Es gibt nicht Chemie, die separat von der Natur existiert. Alles Natürliche ist gleichzeitig chemisch. Zutaten aus «100 Prozent natürlicher Herkunft» sind nichts anderes als 100 Prozent Chemie, auch wenn sie nicht synthetisch, sondern aus der Natur gewonnen wurden.

Ist Bio wirklich besser für die Umwelt? Die Onlinepublikation «Our World in Data» hat kürzlich eine Übersicht über den Stand der Forschung im Streit zwischen Biound konventionellem Landbau veröffentlicht. Das Resultat widerspricht der herrschenden Meinung: Es kommt darauf an, was man wo anbaut, und Bio schneidet betreffend Umweltwirkung eher schlechter ab. Bio braucht in der Regel mehr Land, während die konventionelle Landwirtschaft mehr Energie braucht. Ausnahme: Im Gemüsebau ist Bio oft energieintensiver. Auch das Potenzial für Versauerung und Überdüngung von Gewässern ist im Biolandbau tendenziell höher.

Wem der Klimawandel am Herzen liegt, sollte eher Früchte und Hülsenfrüchte aus Bioproduktion, aber eher Getreide, Gemüse und tierische Produkte wie Milch, Eier oder Fleisch aus konventionellem Anbau kaufen.

Wer seine Ernährung auf eine möglichst geringe Umweltschädigung ausrichten will, sollte vor allem mehr darauf achten, was er isst, und weniger, wie es produziert wurde.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 29. Oktober 2017

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