Wenn Männer lieber spielen, statt zu arbeiten

«Stecker raus» ist für Eltern der letzte Ausweg, wenn sie ihren Sohn vom Computerspiel wegbringen wollen. Die Spiele werden immer besser, bieten endlos Unterhaltung, und mit den Freunden ist man online verbunden.

Keiner muss mehr raus zum «Räuber und Poli» oder Fussballspielen. Jetzt haben vier US-Ökonomen gezeigt, dass Computerspiele keine Kinderspiele mehr sind. Im Jahr 2015 arbeitete ein durchschnittlicher amerikanischer Mann im Alter zwischen 21 und 30 Jahren 203 Stunden weniger als im Jahr 2000, stellen sie in einer neuen Studie fest. In keiner anderen Gruppe war der Rückgang der Arbeitszeit so stark, weder bei jungen Frauen noch bei älteren Männern. Die Erklärung: Die jungen Männer verbringen immer mehr Zeit mit Computerspielen. Und die zusätzliche Spielzeit geht auf Kosten der Arbeit.

Sie wohnen bequem und günstig im Hotel Mama, die Spiele bieten für relativ wenig Geld viele Stunden Spass. Für manche eine attraktive Alternative zu einem schlecht bezahlten Job als Burger-Brater oder Gestell-Auffüller.

Wie schlimm das ist? Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr: Ohne Arbeit fehlen den jungen Männern die Fertigkeiten und Kontakte, die ihnen später das berufliche Fortkommen und höhere Löhne ermöglichen. Sollte man vielleicht Computerspiele hoch besteuern, damit sich die Jungen Arbeit suchen müssen, um das neueste Spiel zu kaufen?

Die Studie ist interessant, aber für Alarmismus besteht kein Grund. Gemäss Umfragen scheinen die Jungen heute zufriedener als frühere Generationen. Die Kriminalitätsraten sinken. Und auch beim Computerspielen entstehen Freundschaften. Eltern stellen das spätestens dann fest, wenn die Online-Mitspieler des Sohnes plötzlich leibhaftig mit dem Fussball vor der Tür stehen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 9. Juli 2017

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