Warum immer mehr Prominente sterben

David Bowie, Prince, Muhammad Ali, Fidel Castro, Carrie Fisher, George Michael, Johan Cruyff, Umberto Eco, Leonard Cohen, Shimon Peres – 2016 starben mehr Berühmtheiten als je zuvor. Diesen Eindruck vermittelten ­zumindest Jahresrückblicke und Medienberichte über «ein schwarzes Jahr». Forscher des MIT Media Lab in Cambridge wollten es genauer wissen. Sie fokussierten für ihre Untersuchung auf die 29’421 Personen, die auf Wikipedia in mehr als zwanzig Sprachen porträtiert werden – eine ­Methode, die offenbar wissenschaftlichen Standards genügt.

Die Zahl solcher Promi-Todesfälle stieg zwischen 2000 und 2015 von 86 auf 195 stark an. 2016 waren es aber nur 181. Trotzdem täuscht das Gefühl nicht, dass im letzten Jahr mehr Stars von uns gingen als früher. Berücksichtigt man nämlich nur die Superstars, deren Porträts in mehr als siebzig Sprachen auf Wikipedia zu finden sind, dann war 2016 mit 16 Toten tatsächlich ein schwarzes Jahr. 2015 waren es nur neun und 2014 zehn gewesen.

Wir sollten uns daran gewöhnen. Die Zahl der Berühmtheiten wächst schneller als die Weltbevölkerung. Dank der Verbreitung von Radio, Fernsehen, Tonträgern und Filmen produzierte das 20. Jahrhundert Stars wie nie zuvor. Wir erleben nun den Tod von Berühmtheiten, die ihre grössten Leistungen in den 1960er- bis 1980er-Jahren vollbrachten und deren Ruhm durch die Medien vervielfältigt wurde.

Als Folge der Kommunikationsrevolution ­müssen wir mit weiteren Steigerungen rechnen. So lange, bis die Zahl der Berühmtheiten nicht mehr durch die Kommunikationsmittel begrenzt wird, sondern durch unsere beschränkte Aufmerksamkeitskapazität.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 8. Januar 2017

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