Das Monopoly-Prinzip

Im letzten Moment hat die EU doch noch die Kurve gekriegt. Das Handelsabkommen Ceta zwischen Kanada und der EU wird heute in Brüssel unterzeichnet. Der TTIP-Vertrag mit den USA ist dagegen kaum mehr zu retten. Auch in der Schweiz werden Handelsabkommen zunehmend als Bedrohung wahrgenommen.

In Europa wie in den USA schwindet das Vertrauen in die wohlstandsfördernde Wirkung des Handels. Stattdessen sehen viele das Monopoly-Prinzip verwirklicht: Am Schluss des Spiels gehört dem Sieger alles, die Verlierer sind bankrott.

Die Erfinderin des Spiels, Elizabeth Magie, wollte damit 1904 die Erkenntnisse des Sozialreformers und Philosophen Henry George verbreiten: dass Monopole und die Bodenrenten der Grundbesitzer zu Armut der Besitzlosen führen. An die Stelle von Steuern auf Arbeit oder produktiven Investitionen wollte George eine Bodenwertsteuer setzen.

Das simple Prinzip des Spiels hat Monopoly zu einem weltweiten Dauererfolg verholfen. Es hat aber auch die intuitive Vorstellung bestärkt, die Wirtschaft sei ein Nullsummenspiel: Was der eine gewinnt, verliert der andere; Ausländer nehmen Einheimischen die Arbeit weg und wenn wir vom Freihandel profitieren, müssen andere deswegen verlieren.

Kinder schmeissen wütend das Brett vom Tisch, wenn sie wieder mal auf Zürich Paradeplatz landen. Aber das Spiel ist nicht die Wirklichkeit. Niemand muss am Paradeplatz einkehren, und Handel gibt es nur, wenn beide Seiten einen Vorteil haben. Die These vom Nullsummenspiel wird seit Jahrhunderten widerlegt. Der Austausch von Gütern und Ideen hat Prosperität und Fortschritt erst ermöglicht. Auch Henry George war deshalb für Freihandel. Leider war er mit seinen Sozialreformen nicht so erfolgreich wie das Spiel.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 30. Oktober 2016

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