Die Fabel vom Esel und dem Tierschützer

18.9.2016 / Armin Müller

«Chinesen essen den Afrikanern die Esel weg.» Die Meldung ging kürzlich um die Welt. Die Chinesen essen nicht nur gerne Eselfleisch. Viele glauben auch, dass eine aus gekochter Eselshaut gewonnene Gelatine nicht nur gegen Schlaflosigkeit, Husten und Falten hilft, sondern auch die sexuelle Potenz steigert. Nun nimmt die Nachfrage aus China nach afrikanischen Eseln stark zu.

Reflexartig kam der Alarmruf, Afrika werde ausgebeutet und der Esel könnte ausgerottet werden. Die Regierungen von Burkina Faso und Niger reagierten mit Ausfuhrverboten. Wo immer ein Problem auftaucht, müssen Verbote und Regulierungen her. Dass sich die Bauern selber helfen würden, wenn man sie nur liesse, liegt jenseits der Vorstellungskraft von staatsgläubigen Politikern und marktfeindlichen Entwicklungshelfern. Die afrikanischen Bauern sollen Subsistenzwirtschaft betreiben und von Entwicklungshilfe leben, statt mit Eselsfarmen die chinesische Nachfrage zu befriedigen.

Solange Tiere, die sich züchten lassen, gegessen werden, sterben sie sicher nicht aus. Aber selbst für gefährdete Arten haben sich Jagd- und Handelsverbote allein als so erfolglos erwiesen wie Drogenverbote zur Bekämpfung von Drogen. Wenn die Bevölkerung keinen Nutzen von den Tieren hat, nützen Verbote wenig. Eine kontrollierte, nachhaltige Jagd, deren Erträge in den Artenschutz und an die ortsansässige Bevölkerung fliessen, brächten oft mehr. Das heisst nicht, dass der Markt immer die Lösung ist. So ist die Nachfrage nach Rhinozeroshorn schlicht zu gross, als dass die Jagd zum Schutz beitragen könnte. Hier hilft vielleicht nur eine rabiatere Methode: die Behandlung des Horns mit einem Gift, das nicht dem Nashorn, wohl aber dem Konsumenten schadet.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 18. September 2016
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