Hilfe ohne Entwicklungshelfer

8.8.2016 / Armin Müller

Entwicklungshilfe transferiere Ged von armen Leuten in reichen Ländern zu reichen Leuten in armen Ländern, spottete der Ökonom Peter Bauer in den 1960er-Jahren. Seither versucht man, Entwicklungshilfe von den politischen Vorlieben der Geberländer unabhängiger zu machen, indem man die Aufgabe an multilaterale Organisationen überträgt und Projekte statt Budgethilfe finanziert. Ein Grossteil dieser Hilfe fliesst in die ärmsten Länder.

Das heisst aber nicht, dass sie dort auch den Ärmsten zugute-kommt, wie eine neue Studie des Entwicklungsexperten Ryan C. Briggs anhand von Projekten der Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank in 17 Staaten Afrikas zeigt. Die Hilfe begünstigt die Regionen mit den reichsten Bewohnern eines Landes. Die multilateralen Geber sind nicht in der Lage, ihre Ziele gegenüber den Entscheidungsträgern in den Empfängerländern durchzusetzen. Projekthilfe kann extreme Armut nicht wirksam bekämpfen, weil sie die Ärmsten nicht erreicht.

Dieses Problem versuchen Entwicklungsökonomen zu vermeiden, indem sie direkt und bedingungslos Geld geben. Viele Entwicklungshelfer sehen das nicht gerne, denn die Empfänger könnten das Geld mit Alkohol, Tabak und Glücksspiel verjubeln.

Eine neue Studie von Johannes Haushofer, der beim Zürcher Ökonomen Ernst Fehr doktorierte und ein Forschungslabor in den Slums von Nairobi in Kenia betreibt, widerlegt diese Befürchtung. Das Geld steigerte das Wohlbefinden der Familien und die Autonomie der Frauen. Sie investierten in Vieh, dauerhafte Güter wie Blechdächer oder in selbstständige Tätigkeiten. Sie gaben mehr aus für Nahrung – aber nicht für Alkohol und Tabak.

Die Armen wissen auch ohne westliche Entwicklungshelfer ganz gut, was ihnen guttut.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 7. August 2016

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