Verbrechen gegen die Menschlichkeit

10.7.2016 / Armin Müller

110 Nobelpreisträger fordern Greenpeace in einem offenen Brief dazu auf, den Widerstand gegen gentechnisch veränderte Pflanzen, insbesondere gegen den «Goldenen ­Reis», aufzugeben. An einer Pressekonferenz am 30. Juni in Washington stellten sie ihr Anliegen vor und fragten: «Wie viele arme Menschen in der Welt müssen noch sterben, bevor wir die Verhinderung von Gentechpflanzen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einstufen?»

Wegen Vitamin-A-Mangel erblinden jedes Jahr 250’000 bis 500’000 Kinder. Die Hälfte davon stirbt innerhalb von 12 Monaten nach der Erblindung. Der an der ETH Zürich entwickelte ­«Goldene ­Reis» produziert das Eiweiss Beta-Carotin, das unser Körper in Vitamin A umwandeln kann und könnte helfen, diese Tragödie zu verhindern. Aber Greenpeace und Co. stecken Millionen in ihre Kampagnen, um dies zu verhindern. Der Kampf gegen Gentech ist schliesslich ein Spendenmagnet.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit – bei jeder anderen Organisation würde ein einzelner Nobelpreisträger genügen, um mit dem Vorwurf einen medialen Sturm zu entfachen. Selbst die mächtigsten Konzerne der Welt müssten sich der Kritik stellen und ihre Politik überarbeiten.

Nicht so Greenpeace, da reichen auch 110 Nobelpreisträger nicht aus. Greeenpeace ist eine gut geölte PR-Maschine. Der globale Konzern ist in 55 Ländern vertreten. 107 Millionen Euro, mehr als ein Drittel seiner Einnahmen, gibt er allein für Fundraising aus. Wo auch immer die PR-Profis ein Transparent aufhängen sind wir Medien zur Stelle und verbreiten ihre Botschaft flächendeckend.

Aber Kritik an Greenpeace ist praktisch tabu. Geht es um das Verhalten der Umweltschützer selbst, meldet sich unser sonst so kritischer Verstand ab. Die SDA-Meldung veröffentlichten einzig die NZZ und der Berner “Bund”, in einer stark gekürzten Version, ohne den Vorwurf der «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» zu erwähnen. SRF brachte die Meldung nicht etwa in der Tagesschau oder in den Nachrichten, sondern verbannte sie ins Randprogramm «Kultur Kompakt» auf SRF2. ­Die NZZ ­berichtete immerhin eine Woche später ­ausführlich.

Dass Greenpeace im Kampf um Spenden, Macht und Einfluss über Leichen geht, ist zynisch. Dass wir Medien das Spiel mitmachen, ist ein Skandal.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der SonntagsZeitung vom 10. Juli 2016

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